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Schlafen wir bei Vollmond schlechter?

Dass die Mondphasen die Nachtruhe beeinträchtigen, klingt wie ein Mythos. Beeinflusst der Mond wirklich unser Schlafverhalten?
von Stephan Soutschek, aktualisiert am 19.06.2016

Wach: Hat der Vollmond wirklich so viel Einfluss auf den Schlaf?

Shutterstock/Naan

Der Mond hat die Menschen noch nie kaltgelassen. Antike Kulturen verehrten den Erdtrabanten als Gottheit. Im Mittelalter war der Glaube weit verbreitet, dass Werwölfe in Vollmondnächten ihr Umwesen treiben. Und heute? Sind viele Menschen überzeugt, dass der Vollmond am nächtlichen Himmel ihnen den Schlaf raubt.

"Viele Menschen schlafen tatsächlich bei Vollmond schlechter", bestätigt Professor Ingo Fietze, Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums an der Charité Berlin. Es gibt sie also wirklich: Die Vollmondnächte, in denen der Mensch sich verzweifelt von der einen Seite auf die andere wälzt, ohne zur Ruhe zu kommen.

Wirkt der Mond auf Körper oder Psyche?

Schwieriger zu beantworten ist aber die Frage, was uns da eigentlich den Schlaf kostet. Eine Theorie: Der Vollmond stört den natürlichen Melatonin-Stoffwechsel. Das Hormon wird verstärkt bei Dunkelheit ausgeschüttet und fördert das Einschlafen. Licht hemmt dagegen die Melatonin-Produktion in der Zirbeldrüse des menschlichen Gehirns. Scheint der kugelrunde Mond hell durch das Schlafzimmerfenster, könnte das also eine geringere Ausschüttung des Schlafhormons zur Folge haben.

Vielleicht ist die Erklärung aber auch viel einfacher: Der Glaube an die Macht des Vollmonds führt dazu, dass Menschen im Vorhinein erwarten, in diesen Nächten schlecht schlafen zu können. Und deswegen tatsächlich keine Ruhe finden.

Ohnehin wirkt sich ein Vollmond am Nachthimmel wohl nur auf Menschen aus, die zu Schlafstörungen neigen. "Einen gesunden Schläfer interessiert der Mond nicht", sagt Fietze. Also alles nur Kopfsache?

Schlafen Sie bei Vollmond schlechter?

Studie findet Hinweise

Im Gegensatz zu den alten Sagendichtern hat die moderne Schlafforschung sich bislang relativ wenig mit dem Vollmond beschäftigt. Doch im Jahr 2013 lieferte eine Untersuchung des Schweizer Chronobiologen Christoph Cajochen wissenschaftliche Hinweise darauf, dass der Mondzyklus tatsächlich das Schlafverhalten beeinflussen könnte.

In der Studie, die mit 33 Teilnehmern allerdings relativ klein war, schliefen die Versuchspersonen in Vollmondnächten etwa 20 Minuten weniger. Außerdem hatten sie niedrigere Melatoninspiegel und klagten über eine insgesamt schlechtere Schlafqualität.

Das Mondlicht aussperren

Das ist ein Hinweis darauf, dass am Phänomen etwas dran sein könnte. Mehr aber auch nicht. Eine ähnlich aufgebaute Untersuchung mit mehr Teilnehmern konnte die Ergebnisse ein Jahr später nicht bestätigen. Eindeutig geklärt ist die Mond-Frage also noch nicht.

Zu welchen Antworten die Wissenschaft in Zukunft auch immer kommen mag: Wer das Gefühl hat, dass der Vollmond ihn am Schlafen hindert, kann ein paar Maßnahmen ergreifen. "Gegen den Lichteinfall das Schlafzimmer gut abdunkeln", sagt Fietze. Hilft auch das nicht, kann möglicherweise ein autogenes Training helfen, die Gedanken vom Mond abzulenken und sich besser zu entspannen.

Viele Ursachen von gestörtem Schlaf

Der Vollmond ist heutzutage ohnehin nicht mehr der größte Schlafräuber. Stress im Beruf, Verkehrslärm und Bestrahlung mit LED-Licht von Fernsehern oder Smartphones dürften weitaus häufigere Ursachen von Schlafstörungen sein.

Alle diese Dinge sind Erfindungen der Neuzeit. Unsere Vorfahren mussten sich noch nicht mit ihnen befassen. Sie konnten ihren Blick noch relativ frei von Ablenkungen auf den großen, runden Mond am Nachthimmel richten.

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Bildnachweis: Shutterstock/Naan, iStock/Sdominick, Thinkstock/Hemera

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